Johann Amos Comenius

 

 

J.A.Comenius
1592 - 1670
Ich bin von Geburt ein Mähre, der Sprache nach ein Böhme, von Beruf ein Theologe.

  1592 28. März : Geburt Jan Komenskys (Johann Amos Comenius) in Nivnice im östlichen Mähren
  1602/03  Tod des Vaters und der Mutter
  1611 -1614 Studium in Herborn und Heidelberg
  1616 Ordination zum Priester der Bruderunität  
  1618 Eheschließung mit Magdalena Vizovska  
  1622 Tod seiner Frau  
  1624 Eheschließung mit Dorothea Cyrillova  
  1628  Auswanderung nach Lissa (Leszno) in Polen  
  1628 - 1632   Böhmische Didaktik (Didactica) (1849)   
  1633 - 1638 Große Didaktik (Didactica Magna) (1657)  
  1641 - 1642 Aufenthalte in London, Holland und Schweden  
  1642   Begegnung mit René Descartes  
  1648  Tod seiner Frau Dorothea Cyrillova  
  1649  Eheschließung mit Johanna Gajusova  
  1653 - 1654  Die sichtbare Welt in Bildern (Orbis Pictus) (1658)  
  1656 - 1670  Amsterdam  
  1657  Sämtliche didaktische Werke (Opera didactica omnia)  
  1670  15. November Tod in Amsterdam
Begräbnis in Naarden bei Amsterdam
 
       

(zitiert nach: Veit-Jakobus Dietrich, Johann Amos Comenius, rororo 1995, S.7ff)

 Johann Amos Comenius fühlte sich nicht nur in der theologischen und philosophischen Tradition des Abendlandes zu Hause, sondern überblickte auch die neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse seiner Zeit und förderte deren Weiterentwicklung durch ein eigenständiges, originelles Gedankensystem. Der Nachwelt blieb er als "Klassiker der Pädagogik" in Erinnerung, als Begründer einer systematischen Pädagogik, der zudem als engagierter Lehrer und Schulreformer bahnbrechend wurde.

Comenius' eigene Selbsteinschätzung spricht gegen die Einseitigkeit dieser Auffassung. Die kürzeste Fassung einer Autobiographie aus seiner Feder lautet :

Comenius, geistlicher und letzter Bischof der böhmischen Bruderunität, verstand sich in erster Linie als Theologe. Seine pädagogischen Konzepte begriff er als Konsequenzen seines Glaubens. Mag er sich auch als Theologe fühlen, mögen seine entscheidenden Anregungen auch der Pädagogik zugute kommen. Werk und Wirken dieses Mannes zeigen eine so erstaunliche Vielfalt, dass er nur als universell gebildeter Gelehrter gesehen werden kann. In über 250 Schriften befasste er sich nicht nur mit theologischen und pädagogischen, sondern auch mit sprachwissenschaftlichen, naturwissenschaftlichen, politischen und philosophischen Themen.

Comenius war ein Meister der tschechischen Sprache, seine Werke besitzen zum Teil dichterische Qualität. Im Gegensatz zu seinen eigenständigen sprachlichen und sprachwissenschaftlichen Leistungen trug er zur Entfaltung der aufkommenden Naturwissenschaften nur wenig bei, beschäftigte sich aber zeitlebens mit naturwissenschaftlichen sowie mit Erkenntnis- bzw. Wissenschaftstheoretischen Fragen. Er forderte eine gründliche Erforschung der Natur, warnte jedoch zugleich vor einem einseitigen Rationalismus oder Empirismus, das heißt vor einer ausschließlich an der Vernunft oder der Erfahrung orientierten Betrachtung der Welt. Die politischen Auffassungen des Comenius sind am Leitgedanken des Friedens orientiert. Unter "Frieden" versteht er sowohl den sozialen Frieden innerhalb eines Landes als auch den politischen zwischen den Völkern. Als Berater von Regierungen in wichtigen Zentren Europas und als Verfasser von politischen Streitschriften versuchte er, das tagespolitische Geschehen unmittelbar zu beeinflussen. Die unterschiedlichen Bereiche seines Denkens und Handelns fasste Comenius in einem einheitlichen philosophischen System, der sogenannten Pansophie (Allweisheit) zusammen. Diese Pansophie geht vom Dreieck Gott - Mensch - Natur aus und umgreift Theologie (als Verhältnis von Gott und Mensch), Politik (als Verhältnis der Menschen untereinander) und Naturwissenschaft (als Verhältnis des Menschen zur Natur).

Im Laufe seines Lebens hat Comenius ein großartiges, geschlossenes Gedankensystem ausgearbeitet. Trotz der Einheitlichkeit seines Denkens sah sich Comenius nie am Ziel, nicht einmal am Ende seines Lebens. Immer hat er sich bemüht, sein Gedankensystem weiter auszubauen und Anregungen aufzunehmen.

Gegenüber den Entwicklungen, in welchen sich die Neuzeit herausbildete, hat sich Comenius in ambivalenter Weise verhalten. Während er einerseits neue Richtungen des Denkens und Forschens begeistert begleitete oder gar selbst neue Wege bahnte, erhielt er andererseits an alten Vorstellungen, etwa an der umfassenden Einheit von Gott - Mensch - und Welt fest und kritisierte manche moderne Einstellung schon in der Phase ihrer Entstehung.

Angesichts der gegenwärtigen Krise der Moderne wird Comenius in umfassender Weise erneut aktuell - mit seinem Misstrauen gegen eine zweckrationale Wissenschaft, seinem Hinweis auf die Verantwortung des Menschen für die Natur, seinen pädagogischen Neuerungen, seinem engagierten Eintreten für den Frieden und für eine grundlegende Weltreform sowie mit seiner Suche nach einem umfassenden Sinn - und Begründungszusammenhang allen menschlichen Wissens, Handelns und Hoffens.

von Jens Feistel und Michael Nöthe
(bearbeitet von W. Goslar 31.03.2011)