18.Themenabend
September 2009
Sind wir noch Herr im eigenen Haus?
Vom freien Willen und Abhängigkeiten
Im Alltag gehen wir wie selbstverständlich davon aus, dass wir tun und lassen, was wir wollen. Individualität und Autonomie sind hochgeschätzte Wörter. Zumal im erzieherischen Angelegenheiten in Elternhaus und Schule gehen wir vom freien und bewussten Willen eines Menschen aus – als Voraussetzung seines Handelns oder als Ziel erzieherischer Einwirkung und Reifung. Nur wer frei entscheiden kann, kann auch verantwortlich für sein Handeln sein.
Stimmt das denn überhaupt? Es gibt durchaus Erfahrungen der Unselbstständigkeit und Abhängigkeit, die nachdenklich machen und Zweifel sähen:
• Junge Menschen bringen Stunden vor dem PC und im Internet und in Chatrooms zu und sind kaum zu bewegen, sich davon zeitlich und räumlich zu lösen – könnten sie es überhaupt, wenn sie es wollten?
• In Gerichtsverfahren gehört die Überprüfung der uneingeschränkten Zurechnungs-fähigkeit und Verantwortlichkeit zum ordentlichen Ablauf – hat jeder Täter ge-wusst, was er tat? Hat er sich bewusst entschieden?
• Jugendliche lassen sich in einer bestimmten Phase ihrer Entwicklung maßgeblich von Gleichaltrigen - den „peers“ – beeinflussen – haben sie in dieser Zeit genug Ich-Stärke, sich gegen Gruppenzwänge zu behaupten?
• Was gesunde Ernährung ist, ist eigentlich allen klar gemacht worden durch Schule, Elternhaus und Medien – dennoch nimmt die Zahl der essgestörten und fehler-nährten jungen und älteren Menschen in unserer Gesellschaft zu – wissen sie alle nicht, was sie tun, welche Folgen ihre Ernährungsweise haben wird? Oder ist ihr Wille nicht stark genug?
• Zum Erziehungsauftrag der öffentlichen Schule gehört die Aufklärung über die Wirkungsweise der Drogen und die Folgen ihres Gebrauchs – warum folgen so viele (junge) Menschen nicht ihrer klaren Einsicht, riskieren langfristige Schädigungen, gravierende psychische und physische Folgen?
Warum es mitunter schwer oder nahezu unmöglich ist, selbstbestimmt und vernünftig sein Leben einzurichten und zu handeln, wird an diesem Themenabend erörtert werden im Gespräch mit Fachleuten aus Jugendarbeit, Drogenberatung, Erziehungsberatung, Rechtswissenschaft, Pädagogik, Psychologie – wie üblich zunächst auf dem Podium, da-nach mit dem Publikum. Dazu laden wir Sie ins Kulturzentrum des Comenius - Gymna-siums herzlich ein.
Th. Sombek/Dr. A. Willert



