Inklusive Schulentwicklung am Comenius-Gymnasium Datteln

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Sebastian, Marlon, Dilara und Katharina gehen: Schulentlassfeier für den ersten Inklusions-jahrgang am Comenius-Gymnasium

 

Vier der vor sechs Jahren "zieldifferent" eingeschulten Comenianern wurden mit einer anrührenden Entlassfeier am 11.07.2018 verabschiedet. Die ehemaligen Klassenkameraden, Eltern und Kolleg*innen verabschiedeten sich mit einem bunten Programm von Sebastian Sibbe, Marlon Siebert, Dilara Bayrak und Katharina Klinke. Die Koordinatorin für das Gemeinsame Lernen, Barbara Schäpers, lobte die Abgänger, die mit den Förderabschlüssen Lernen die Schule verlassen, für die Offenheit, mit der gemeinsam am Gymnasium gelernt wurde. Sie seien allen Mitschülern und Lehrern ans Herz gewachsen, was auch durch den Klassenkameraden Stefan Brauckmann-Berger betont wurde.
Schulleiterin Brautmeier, die ihren Vorgänger Ralf Rieder zur Feier begrüßen durfte, lobte das Engagement der Lehrer-Teams, den Einsatz der Eltern und Mitschüler sowie die Mitarbeit der Förderschüler selbst: "In other words: We love you!", wurde den Jugendlichen auch musikalisch mit auf den Weg gegeben.
Mit ihren Abschlusszeugnissen gehen die vier nun gemeinsam am Berufskolleg in Castrop-Rauxel ihren nächsten Schritt in Richtung Berufstätigkeit. Alles Gute!

Gelungene Kooperation

Die im Schuljahr 2017/18 begonnene Kooperation des Comenius-Gymnasiums mit dem Berufskolleg Ostvest im Bereich "Inklusion und Übergänge" wird fortgeführt. Darüber sind sich nicht nur die Schulleiterinnen sondern besonders die Lehrerinnen und Lehrer der Ausbildungsvorbereitungsklasse Frau Lübke, Frau Wichmann und Herr Miglietta sowie Frau Schäpers aus der Inklusionsabteilung des Comenius-Gymnasiums einig.

Das Berufskolleg Ostvest und das Comenius-Gymnasium Datteln haben mit der Kooperation den Versuch unternommen, gemeinsam den Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf des Comenius-Gymnasiums im 10.Schuljahr eine Möglichkeit zum Übergang von der Schule in die Ausbildungsvorbereitung zu ermöglichen

Dazu haben vier Schüler und Schülerinnen am  Unterricht am Berufskolleg Ostvest einer Ausbildungsvorbereitungsklasse teilgenommen. Dieser wurde von Frau Wichmann (Englisch) und im Wechsel Frau Lübke und Herrn Migletta (beide Wirtschaft) des Berufskollegs und Frau Schäpers (Sonderpädagogik) des Comenius-Gymnasiums Datteln durchgeführt. Gemeinsam wurde erstmalig im Team-Teaching gearbeitet, wobei beide Seiten dies als sehr bereichernd erfahren haben und sich auf eine Fortsetzung mit neuen Schülerinnen und Schülern im kommenden Schuljahr freuen.

Die Kooperation bezieht sich außerdem auf die Teilnahme an Fortbildungen. Hierzu haben Lehrer des Comenius-Gymnasiums an der Beratungsfortbildung des Berufskolleg Ostvest teilnehmen können.

Das Comenius-Gymnasium Datteln macht dem Kollegium des Berufskolleg Ostvest im Herbst im Gegenzug ein maßgeschneidertes Fortbildungsangebot zur sonderpädagogischen Förderung.

An den schulinternen Fortbildungen des Comenius-Gymnasiums zum Gemeinsamen Lernen können Kolleginnen und Kollegen des Berufskolleg Ostvest immer kostenfrei teilnehmen.

Am Comenius-Gymnasium in Datteln streben wir in einem bislang eher exklusiven Schulsystem das Ziel der Inklusion an, indem in fünf "Klassen des Gemeinsamen Lernens"  sowie der Lerngruppe im 10.Schuljahr Schülerinnen und Schülern mit und ohne sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf gemeinsam lernen und dabei von einem Team aus Gymnasial- und Sonderpädagoginnen sowohl zielgleich als auch zieldifferent unterrichtet werden.

 

Inklusion verstehen wir als Vision, als (Schul-)Entwicklungsziel, eine inklusive Pädagogik als den Weg, auf den das Comenius-Gymnasium sich begeben hat.

WIR SIND GERNE IN DER INTEGRATIVEN KLASSE, DA DORT DAS MITEINANDER SEHR GUT GEFÖRDERT WIRD, EGAL WER MIT WEM IN EINER GRUPPE IST!
DIE KINDER BEKOMMEN EINE GUTE BODENHAFTUNG UND SOZIALE KOMPETENZ.
WIR SIND NICHT SO GERNE IN DER INTEGRATIONSKLASSE: GIBT ES NICHT!

 

 (Eltern eines Gymnasialschülers)

Um wen geht es? Daten und Zahlen

Im Gemeinsamen Unterricht befinden sich insgesamt 35 Schülerinnen und Schüler mit besonderem Unterstützungsbedarf in den Klassen 5-10, davon 29, die zieldifferent unterrichtet werden.

 

In den Klassen des Gemeinsamen Lernens werden maximal 24 Schülerinnen und Schüler unterrichtet. Jede Klasse verfügt über einen zweiten Raum, der durch eine Glastür mit dem Klassenraum verbunden ist, dies ermöglicht besondere und „transparente“ Differenzierungsmöglichkeiten, ohne Schülergruppen auszuschließen.

Eine (bisher) fest zugesicherte Summe durch den Schulträger ermöglicht uns die Ausstattung der Klassen mit zusätzlichem Fördermaterial sowie den Aufbau einer inklusiven Lehr- und Fachbibliothek.

In den Klassen des gemeinsamen Lernens sind insgesamt vier Sonderpädagoginnen, die wir "Förderlehrerinnen" nennen, im Team-Teaching mit den jeweiligen Fachlehrerinnen und -lehrern eingesetzt. Diese wurden ursprünglich von unserer Partnerschule Oberwiese, einer Förderschule mit dem Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung, mit unterschiedlicher Stundenzahl abgeordnet, seit Februar 2015 sind zwei Förderlehrerinnen an das Comenius-Gymnasium versetzt (quasi ebenfalls "inkludiert"). Zusätzlich werden einzelne Schülerinnen und Schüler durch Schulbegleiter und Schulbegleiterinnen unterstützt.

Konzeptionell vorgesehen haben wir ein möglichst hohes Maß an Kontinuität in der Lehrer-Besetzung der Klassen; bis einschließlich zur 7.Klasse wechseln die Hauptfachlehrer und -lehrerinnen sowie zumindest eine Sonderpädagogin möglichst nicht.

Der Unterricht in den "Klassen des Gemeinsamen Lernens"

 

Der Unterricht der gesamten Klasse orientiert sich inhaltlich grundsätzlich an den Lehrplänen des Gymnasiums und wird idealerweise durch den/die Gymnasialkollegen/-kollegin und die Förderlehrerin  gemeinsam geplant und durchgeführt. Die Förderlehrerinnen erstellen in Absprache mit den Gymnasiallehrern und -lehrerinnen individuelle Förderpläne für die Förderschülerinnen und -schüler. Dabei werden sowohl die Richtlinien des Gymnasiums als auch die Richtlinien der jeweiligen Förderschwerpunkte berücksichtigt und miteinander verknüpft. Hier arbeiten wir beispielsweise im Fach Mathematik und Deutsch mit Kompetenzrastern, die die jeweiligen Ziele für das Abitur, den Hauptschulabschluss, den Abschluss der Förderschule Lernen sowie ggf. den Abschluss für die Förderschule Geistige Entwicklung, farblich voneinander abgesetzt, aufzeigen. Mit Hilfe dieser Raster schaffen wir für die Schülerinnen und Schüler eine Zieltransparenz für die gesamte Klasse und eine Motivation besonders für die Schüler und Schülerinnen mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf, die nächste Stufe (z.B. im Hauptschulbereich) anzustreben. Die Förderung und Forderung aller Schülerinnen und Schüler ist uns ein wichtiges Anliegen, am Comenius-Gymnasium also selbstverständlich auch in den Klassen des Gemeinsamen Lernens. Um den Lernfortschritt der Gymnasialschülerinnen und -schüler aufmerksam im Blick zu behalten, unterrichten die Lehrer und Lehrerinnen der Hauptfächer ihr Fach in einer Parallelklasse und/oder schreiben in engem fachlichen Austausch mit ihren Fachkollegen und -kolleginnen Vergleichsarbeiten. Durch die enge Teamarbeit und den ständigen Austausch können auf diese Weise Lernrückschritte rasch erkannt und nachgearbeitet werden.

Eine auf die individuellen Förderbedürfnisse und Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler ausgerichtete Unterrichtsplanung versuchen wir durch differenzierte Arbeitsaufträge, Stationenarbeit, kooperative Lernformen und teilweise fächerübergreifende Themenarbeit zu realisieren. Die gymnasialen Themen, die für die Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf nicht oder in anderer Form vorgesehen sind, werden elementarisiert und vorhandene Materialien umgearbeitet. Kompetenzraster, umgearbeitetes oder selbst erstelltes Material sammeln wir, erstellen Übersichtspläne und legen systematisch Ordner für jedes Fach und jede Jahrgangsstufe an. Auf diese Art entwickeln wir eine Art schulinternes Curriculum für das gemeinsame Lernen.

Themen einzelner Unterrichtsfächer oder auch das Fach Englisch können nicht oder nur zeitweilig (spiral-curricular, gemeinsame Einstiege, Vokabelspiele), die zweite Fremdsprache gar nicht gemeinsam unterrichtet werden. Während des Latein- und Französischunterrichts erhalten die Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf durch die Sonderpädagoginnen Förderunterricht und Unterricht in den Fächern Arbeitslehre, Technik, Werken und Hauswirtschaft. Hier unterrichten die Förderlehrerinnen Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf jahrgangsübergreifend zeitweilig gemeinsam, um für die Kleingruppen einen synergetischen Effekt zu erreichen. Die Schülerinnen und Schüler der einen Jahrgangsstufe werden durch die Lernfortschritte der Schülerinnen und Schüler aus der anderen beispielsweise herausgefordert, während die Schülerinnen und Schüler sich wechselseitig unterstützen, bereits Gelerntes festigen, üben oder ggf. neu lernen können.

Ab  Klasse 7 wird hier das Fach Arbeitslehre/Wirtschaft (nach den Richtlinien für den Förderschwerpunkt Lernen und/oder die Hauptschule) erteilt; hier arbeiten wir beispielsweise am Aufbau unserer Schülerfirma „Comenius NaLogo“.

Zur Berufsorientierung im gemeinsamen Lernen haben wir ein gesondertes Konzept erarbeitet, Näheres hierzu können Sie dem Rahmenplan zur Berufsorientierung entnehmen.

Grundsätzlich werden alle Schülerinnen und Schüler in einem Raum unterrichtet. In vielen Situationen nutzen wir  mit  Schülerinnen und Schülern (für Gruppenarbeit, Klassenarbeiten, Einzelarbeit, Rückzug) den Differenzierungsraum oder andere Räumlichkeiten.  Auf diese Art sind wir bemüht, dem Spagat zwischen Gemeinsamem Unterricht, individueller Förderung, Binnen- und Außendifferenzierung gerecht zu werden.

       
       
 

Erfahrungen und Knackpunkte

 

Den Klassenteams und insbesondere den "Fach-Teams", bestehend aus Förder- und Gymnasiallehrerin, stellen sich durch die für die meisten Kollegen und Kolleginnen neue Form des gemeinsamen Unterrichtens, dem Team-Teaching außerordentliche arbeitsintensive und anspruchsvolle Aufgaben, was die Kooperation und die erforderliche Kommunikation betrifft. In den regelmäßig stattfindenden Teamstunden, an denen die in der Klasse unterrichtenden Kolleginnen und Kollegen teilnehmen, kann ein Teil der notwendigen inklusiven Unterrichtsentwicklung erfolgen, notwendige pädagogische Maßnahmen können gemeinsam getroffen und getragen werden. I

Die Klassen sind wie alle Klassen selbstverständlich sehr unterschiedlich, das Klassenklima und die Klassengemeinschaft durch die unterschiedliche Zusammensetzung noch ausbaufähig bis sehr gut. Die Schülerinnen und Schüler gehen in diesen Klassen bisher allerdings außerordentlich sorgsam und verantwortungsbewusst, auch durch eine enge Zusammenarbeit mit den Eltern, miteinander um.

Herausstellen möchten wir die Bedeutung unserer guten Elternarbeit, sowohl von Schul- als auch von Elternseite. Die Hemmschwelle für die Eltern der Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf abzubauen, ist dabei ein Ziel für alle Eltern, so gibt es in einer Klasse bereits "Eltern-Buddies", die anderen Eltern mit Rat und Tat zur Seite stehen.

In der Fachkonferenz "Gemeinsames Lernen" arbeiten Förderlehrerinnen, Gymnasialkollegen und -kolleginnen aus den fünf Klassen sowie Eltern- und Schülerinnen- und Schülervertreter an der Evaluation und fortlaufenden Entwicklung des Konzeptes, organisieren Darstellung und Öffentlichkeitsarbeit und geben notwendige Schulentwicklungsimpulse.

Seit dem laufenden Schuljahr 2014/15 sind wir Hospitationsschule, d.h. Kollegen und Kolleginnen anderer Gymnasien, die ebenfalls Inklusionserfahrungen sammeln, hospitieren in unserem gemeinsamen Unterricht, informieren sich über unser Konzept, unsere Erfahrungen und profitieren so von unserer bisherigen Arbeit.

Ausblick

 

Fakt ist, dass wir uns trotz zahlreicher berechtigter Bedenken gemeinsam auf den Weg gemacht haben und heute nach fünf Jahren Einiges als nahezu selbstverständlich erscheint, was zu Beginn dieses Weges selbst unter den Optimisten der beteiligten Kolleginnen, Kollegen und Eltern kaum vorstellbar war.

Unsere überwiegend positiven Erfahrungen aus der sehr arbeitsintensiven, aber auch erfolgreichen Arbeit in unseren Klassen des Gemeinsamen Lernens, was das Klima, die Integration der Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf, deren erhöhte Leistungsbereitschaft, den Leistungsstand der Gymnasialschülerinnen und -schüler sowie deren Integrationsbereitschaft betrifft, ermutigen uns für die weitere Arbeit.

Unsere ersten Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf werden wir zum Ende dieses Schuljahres mit einem Abschluss in die weitere Berufsvorbereitung mit einer gebührenden Abschlussfeier entlassen.

Mit hohem Arbeitseinsatz, Humor, Gelassenheit und Empathie werden wir dann mit einer neuen 5d starten, die 6d (dann 7d) bei ihrem Wechsel in das Hauptgebäude begleiten und unterstützen und uns im Team bemühen, alle Schülerinnen und Schüler der Klassen bestmöglich zu fordern und zu fördern.

 

Fragen, Hospitationswünsche oder Anregungen an Frau Schäpers: 

bschaepers@comenius-gymnasium-datteln.de

Inklusionskonzept.pdf
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Kompetenzraster Flächen, Umfang.pdf
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Kontakte:

Comenius-Gymnasium Datteln
Südring 150
45711 Datteln

Tel.: 02363 3747-0
Fax: 02363 3747-22

 

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Dépendance Erprobungsstufe

Hagemer Kirchweg 5
45711 Datteln

Tel.: 02363 359628
Fax: 02363 360624

 

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Vertretungsplan

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